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Phänomenale CD-Taufe von Stefan Keller in der Aula der Kreisschule Mutschellen Unerschöpfliche Klangwelt, der Zeit voraus Bahnbrechend und innovativ war der Liveauftritt des Flötisten Stefan Keller aus Bellikon bei der Taufe seiner CD "albido". Der Soloauftritt entpuppte sich sowohl in Klang, Bild und Installation als Performance. (ro) Beeindruckend die qualitativ sehr hoch stehende Darbietung von Stefan Keller, der mit "albido" seine neue CD präsentierte und diese mit einem zweistündigen Konzert gebührend einweihte. Das Rundumerlebnis beinhaltete einerseits das vielfältige Spiel, die akustische Darstellung in Vierkanalton, computeranimierte Graphiken und kurze Berichte über den dreimonatigen Aufenthalt des Künstlers in Paris. Lange hat es gedauert, bis Stefan Keller seine Kontrabass-, Bass-, Alt-, und Querflöte in C mit Mikrophonen und Sensoren so perfekt ausstatten konnte, ehe eine Uebertragung des gesamten bekannten Klangspektrums und zusätzlich alle anderen Elemente wie Klappen-, Atem, oder Klopfgeräusche optimal möglich wurde. Die elektronische Flöte ist nicht darauf ausgelegt, Synthesizer anzusteuern. Seine Idee beruht auf der Tatsache, dass die Querflöte im klassischen Sinne auch unerwünschte Geräusche erzeugt, die Keller bewusst verstärkt und meist als perkussive Elemente einsetzt. Galaktische Weltreise Die Möglichkeit, die Klappen der Flöte nun als Rhythmusinstrument zu spielen, Auszüge solcher Muster live in einen Datenspeicher zu übertragen (Sampling) und dann per Fusstaster repetierend abspielen zu können - darin besteht das wesentlich Neue. Nach dieser Basisarbeit hat dieser unglaublich kreative und versierte Flötist zusätzlich die Wahl, die entstandenen Geräuschrhythmen mit weiteren Mustern oder Tönen zu ergänzen. So entsteht eine neue Dimension von Flötenklang in Mehrstimmigkeit, Geräusch- und Rhythmuskulisse, die allein durch die verschiedenen Flöten entstanden ist. Die Stärken des Querflötisten bestand aber nicht nur in der Umsetzung der komplexen Rhythmusarbeit, er liess in Teilen des Konzertes auch seine technischen und musikalischen Fähigkeiten am Instrument aufblitzen. Keller spielte jazzig modulierende Skalen ebenso brilliant wie arabische und klassische Motive. Zudem erschienen per Videobeam computeranimierte Graphiken auf Grossleinwand, die auf das musikalische Geschehen direkt mitagierten. Je länger das Konzert dauerte, umso verständlicher wurde das vorerst etwas eigenwillig anmutende Anliegen des in gewisser Weise sicher als Pionier, Experimentalisten und Avantgardisten zu bezeichnenden Musikers. Nach und nach entstand eine galaktisch-musikalische Weltreise, die, unterstützt durch sehr akkurat klingende Lautsprecher, nie zu laut, und mit dem Vierkanalton, Geräusche und Töne von allen Seiten die Zuhörerschaft in das Raumschiff "albido" mitnahm. Gegen Ende des Konzertes erschienen Stefan Kellers japanische Freunde mit Tochter auf der Bühne, die für den Artisten eigens ein Kostüm entwickelt haben. Das sogenannte Peak-Level-Meter-Suit ist ein Schwarzer Anzug, der mit grünen und roten Leuchtdioden ausgestattet, im Rhythmus der Musik die Lautstärke anzeigt. Dieser Lichteffekt, auf die gesamte vertikale des schwarzen Anzuges verteilt, zeigte nicht nur die akkustischen Spitzen, es verlieh dem Konzert eine zusätzliche Qualität. Keller zeigte damit, dass er die Ebene seiner künstlerischen Ausdrucksform ständig weiterentwickelt und in der akustisch-räumlichen Form von der Musik zu seiner eigenen Welt &endash; zu seiner Performance &endash; gefunden hat. Der "Alpaufzug mit Zwischentönen", so der Name einer der drei Zugaben, brachte das Publikum wieder zurück auf die Erde. Hier erzeugte Keller auf seiner Kontrabassquerflöte alphornähnliche Klänge, verarbeitete parallel zur Tonerzeugung am Instrument zusätzlich eigenen Gesang (growling) , und band, in einer kurzen Melodiepause, noch eine Art Kommunikation zwischen einem mutmasslichen Bauern und seiner Gattin ein. Ein komisches Element, das sehr witzig und bodenständig wirkte. Insgesamt war zu spüren, dass Kellers Liebe zur Jazzmusik einerseits, zur Klassik anderseits noch nicht ausgeschöpft ist. Das Potenzial seiner Kunst mit den elektronischen Flöten bietet mindestens ebensoviele neue Varianten. Fast unerschöpflich, diese Klangwelt. Stefan Roos 24.4.01 Wohler Anzeiger Das Neue, das elektrisiert, per Querflöte "Stefan Keller ist die Symbiose zwischen Querflöte und Elektronik geglückt. Das Neue, das Unbekannte elektrisiert und fasziniert, in Surroundsound, Live!" So wurde die Musik auf dem Programm der CD-Taufe zum Album "albido" beschrieben. Eine vielver-sprechende Einführung, die jedoch das tatsächliche Erlebnis des Konzertes unmöglich zusammenfassen konnte. Die Kasse in der Aula der Kreisschule Mutschellen in Berikon war gleichzeitig der Schalter für die folgende Reise in eine neue Welt der Töne. Die meisten der ZuhörerInnen kannten bestimmt die Töne, die eine Querflöte von sich geben kann, doch alle wurden während des Programms "albido" von Stefan Keller eines Besseren belehrt. Nach zwei, drei einführenden Worten zu dem "elektronischen Querflötenprojekt" begann sich der Saal mit Klängen zu füllen, welche nur schwer zu beschreiben sind. Tiefe perkussive Laute, fremde Soundteppiche und wunderbare Geräusche, wie man sie bis jetzt nur aus der Computermusik kannte, bauten sich auf zu einer fantastischen Reise in Melodien, die die ZuhörerInnen forttrugen und träumen liessen. Immer wieder musste ich mich fragen: '"Wie macht er das bloss?" Nach den ersten beiden Stücken "albido-filigran-heartbeat" und "Illumination" stand in den meisten Köpfen wohl ein grosses Fragezeichen, umrahmt von Bewunderung für den Musiker. Dessen sicher bewusst, erzählte Stefan nun, wie seine technische Einrichtung in etwa funktioniert und er zeigte auch klar, dass keiner seiner Töne Playback, also vorgefertigt, war. Er demonstrierte, wie er mit der Technik in der Lage ist, eine gespielte Sequenz zu speichern um danach mit sich selber zu spielen. Er wies auch darauf hin, dass er mit seinen Fusstasten, zur Steuerung der Geräte, gleichviel Training braucht wie für das Flötenspiel. Ein kleines "AHA-Erlebnis", doch damit verlor der Sound noch lange nicht seine Faszination. Ein weiteres "Spezial" seines Konzertes waren auch die Projektionen, die er während der Musik an einer Leinwand zeigen konnte. Die farbigen Muster, Bilder und Schriftzüge veränderten sich je nach Art und Lautstärke seiner Musik. Ein Effekt, der das Publikum noch mehr in die Welt der Fantasie entführte. Ein echter Höhepunkt im zweiten Teil des Programms war sicher die Premiere des sog. "peak-level-meter-suit". Ein Anzug, den zwei japanische Kleiderdesigner (ID Boutique = Jun und Mutsuyo Kusaka) speziell für Stefan Keller entworfen haben. Sie waren als "special guest" ebenfalls anwesend. Der Anzug hat auf beiden Körperseiten, vom Knöchel bis zur Brust, Leuchtdioden angebracht, wie bei einer dB-Anzeige an der Stereoanlage. Diese Anzeigen hüpften zu der Musik auf und ab. Ein optischer Effekt, der das Publikum wortwörtlich aus den Sitzen riss. Stefan Keller ist also nicht nur, was die Musik angeht, ein Pionier, sondern bricht auch in optischen Darbietungen zu neuen Ufern auf. Diese wurden beim Publikum durchwegs mit Begeisterung entgegen genommen.
Stefan Keller ist ein Flötist, der seine Instrumente nicht nur winden, rauschen, zischen und Schlagzeug spielen lässt. Nein, er kreiert Sounds, bei denen jeder Technobegeisterte nur mit offenem Mund zuhören kann. Die CD "albido" ist ein Muss für alle, die mehr als "bekannte" Flötenmelodien hören wollen. Ein Werk, das sicher auch jeden eingefleischten Technik-Freak nochmals zum Staunen bringt. Christian Acklin 25.4.01 Aargauer Zeitung |