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Stefan Keller wurde im vergangenen Frühjahr vom Aargauischen Kuratorium für seine bisherigen Verdienste als Komponist, Interpret und Musikpädagoge ausgezeichnet. Die Improvisation war für Stefan Keller schon ein fester Bestandteil des Übens, als er im Alter von 13 Jahren die ersten Gehversuche auf der Querflöte unternahm. Nichts machte ihm damals grösseren Spass, als sich improvisierend mit einem Freund zu unterhalten, der Gitarre spielte. Der Spass ist bis heute geblieben. Was sich geändert hat, ist das Spielkönnen. Zwischen-zeitlich ist dieses so virtuos und vollendet, dass man ihn wohl mit zu den besten Flötisten seiner Generation zählen darf. Dabei ist er ein Spätberufener. Das Konservatorium Schaffhausen besuchte er erst nach abgeschlossener Berufslehre. Im Alter von 28 Jahren beendete er sein Musikstudium mit dem Konzert- und Lehrdiplom. Die Lust zur Improvisation und das unablässige Erforschen des Reichs der grenzenlosen Töne begleiteten ihn auch während des Musikstudiums. Unter Anleitung seines Theorielehrers schrieb er die ersten Kompositionen, die sich noch an die Gesetzmässigkeiten der klaren Notation hielten. Das änderte sich schlagartig, als er durch seinen Lehrer Felix Renggli zum erstenmal mit der Avantgarde konfrontiert wurde. «Es war für mich ein völliger Neubeginn», erinnert er sich an diese Zeit. «Endlich stand ich etwas Neuem gegenüber, einer neuen Sprache und einem neuen Rhythmusgefühl. Neue Klangvorstellungen drangen unauslöschlich in mein Bewusstsein, und Ausdrücke wie Glissandi, Spacenotation, Slap oder Whistletone begeisterten mich.» Alle diese neuen Ausdrucksmöglichkeiten stehen auch der ersten CD Flute Trends Pate. Am nachhaltigsten geprägt wurde Stefan Keller von Pierre Yves Artaud. «Als ich ihn bei einem Konzert Cassandras Dream Song von Brian Ferneyhough spielen hörte, erkannte ich, welche Bandbreite flötentechnischer Ausdrucksweise noch möglich ist», sagt er. Von Robert Dick lernte er, mit welchen Techniken sich die einzelnen Sounds verwirklichen liessen. Geprägt von diesen Einflüssen und ergänzt mit Erfahrungen durch Kompositionen von G. Ami, K. Fukushima, L. Berio und M. Lavista begann Stefan Keller immer mehr themenbezogene Stücke mit klaren Formen zu schreiben. Sein erstes wirklich ausgearbeitetes Solowerk für Flöte trägt den Titel «Worldtour». Darin hält er eine musikalische Reise rund um den Erdball fest: Den durch die Sahara dünenden Wind ebenso, wie die Stammestrommeln afrikanischer Urvölker. Und selbstverständlich fehlen auch Zwischenhalte in Nord-, Südamerika und China nicht. Sein zweites grösseres Werk trägt den Titel «The Four Elements». Die Umsetzung der Elemente gelang eindrucksvoll. Im ersten Satz «Wasser» verwendet er Minimal Music Elemente, im zweiten Satz «Erde» klassische Fragmente, um dann in den verbleibenden Sätzen «Luft» und «Feuer» ganz auf Avantgardetechniken zu setzen. Zur Zeit experimentiert Stefan Keller mit elektronischen Effekten und erweitert sukzessive seine Ausdrucksmöglichkeiten mit Loops, Pitches, Echos und Flanges. In seinem kürzlich fertiggestellten und erfolgreich vorgestellten Soloprogramm kommen die neuen Techniken erstmals zum Tragen. Peter Holenstein |