"...unter Wasser 03"
 
Alexander Lauterwasser's
Wasser - Klang - Bilder

A. Lauterwasser - Schale mit sprudelnden Wasser

 

 

Chiemsee Festival 2002

Alexander Lauterwasser fasziniert mit seinen Wasser-Klang-Live-Projektionen

BERGEN ~ Töne kann man nicht nur hören, sondern auch sehen, und sie sind sogar wunderschön anzuschauen. Diese erstaunliche Erfahrung machten Musiker wie Gäste im Rahmen des ersten Oberton-Klangzauber-Festivals Chiemgau in Bergen. Ermöglicht wurde dieses Erlebnis von dem Künstler Alexander Lauterwasser, der mit seinen Wasser-Klang-Projektionen die Zuhörer und Zuschauer bei mehreren Workshops und einem Abendkonzert in seinen Bann zog.

Klänge in ihren Auswirkungen auf verschiedene Medien kann man sehen, seit der Naturforscher E.F. Chladni Ende des 18. Jahrhunderts die nach ihm benannten " Chladnischen Klangfiguren" entdeckte. Der Schweizer Arzt Hans Jenny entwickelte diesen Ansatz in den 60er~Jahren weiter. Mit einer neuen Technik gewährt nun Alexander Lauterwasser einem breiteren Publikum deutschlandweit überraschende Einblicke in die gestaltschaffenden Prozesse von Klängen und Musik. Bei dem von ihm entwickelten Verfahren werden Töne über Mikrofon und Schallwandler in eine Schale mit Wasser übertragen, die entstehenden Strukturen auf der Wasserfläche beleuchtet, gefilmt und zeitgleich per Videobeamer auf eine Großleinwand projiziert.

Die Musiker ließen Töne von Didgeridoos, Shakuhatchi - Flöten, Klangschalen, aber auch gesungene Mantras auf das Wasser einwirken. Atemlos beobachteten die Zuschauer, welch fassettenreiche Reaktionen die unterschiedlichen Klangspektren im Wasser fanden. Die tieferen Töne bilden größere, die höheren feinere Wellen, was zu vielgestaltigen Strukturen führt. Das Ergebnis sind ständig wechselnde und sich wandelnde Muster.

Es präsentiert sich eine Fülle von Formen, Gestalten und Bildern, die schier unerschöpflich scheint. Wasser ist ein ideales Medium, um Töne sichtbar zu machen, findet Alexander Lauterwasser, der früher auch mit Sand-Klang-Bildem experimentiert hat. Denn das Wasser antwortet schnell, in Bruchteilen einer Sekunde, auf die Schwingung des Klanges. Es ist flexibel und "beeindruckbar", so dass es die Bewegtheit und Intensität der Musik trefflich auszudrücken vermag.

Äußerst verblüffend ist, wie sehr die Klangfiguren vielen Erscheinungsformen aus der Natur ähneln: Manche sehen aus wie filigrane Kristalle, andere wie komplexe Blütenformen, manche wie die wellenförmige Maserung im Querschnitt von Steinen oder Baumstämmen, wieder andere wie die Zeichnung von Muscheln oder Schnecken.

Der Fotograph und Philosoph Lauterwasser beobachtet diese erstaunlichen Ähnlichkeiten seit Jahren und erforscht die Gesetzmäßigkeiten dahinter. In den Klang-Wasserbildern zeigen sich ihm dabei Prozesse rythmischer Gestaltung, wie sie sich auch in den wellenartigen Erscheinungen der Natur und ihren Lebewesen enthüllen. So versucht er, mögliche Beziehungen von Klängen zu Gestalten in der Natur aufzuzeigen - eine Form von Beziehung, die sich bezeichnender Weise "Re-sonanz" nennt, also das Wider-Tönen: Geschaffenes als ein Widerhall auf Urklänge.

Lauterwasser betrachtet diese Phänomene zu differenziert, um vorschnell einer Identität solcher Erscheinungen das Wort reden zu wollen im Stile von: "Alles ist Schwingung". Und doch: Wer beobachtet, wie sich die Wellen-Strukturen zu immer neuen grandiosen Klangbildern formen, wird unwillkürlich an Schöpfungsmythen alter Zeiten erinnert. Viele von ihnen erzählen, wie die Welt erschaffen wurde durch die Wirkung von Schall und Klang auf ein zunächst formloses, flüssiges Urelement. So auch in der Bibel: "Im Anfang war das Wort" , heißt es im Evangelium des Johannes. Und die Genesis schildert, wie Gottes Geist (hebräisch: "ruach", wörtlich: "Hauch") über dem Wasser schwebt und die Welt entstehen lässt. Durch Hauch und Klang seiner Worte verleiht der Schöpfer dem Formlosen nach und nach Form und Gestalt. Mit dem sich wiederholenden "Und Gott sprach..." wird die Uridee aus dem unsichtbaren Ewigen offenbart in die Welt des Sichtbaren.

Die Besucher waren von der Schönheit, Klarheit und Lebendigkeit der Ton-Formen tief berührt, was sich immer wieder durch begeistertes Summen kundtaten - wird doch beim Klangfestival grundsätzlich nicht geklatscht, um die Stimmung nicht zu zerreißen. Auch die Musiker selbst zeigten sich bewegt davon, dass sie ihre Klänge visualisiert kenne lernen und ihnen erstmals quasi von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen konnten.


 

Ueber das Buch "Wasser - Klang - Bilder" von Alexander Lauterwasser

Die schöpferische Musik des Weltalls

Viele alte Mythen schildern die Schöpfung der Welt als allmähliche Ausformung und Festwerdung einer ursprünglich schwingenden, klingenden, ozeanisch-flüssigen Urwelt. Es gibt eine Entsprechung von Klang und Form - Gestalt als geronnener Klang, Körper als Resonanzkörper. Anknüpfend an die Arbeiten von E. F. Chladni (1756 - 1827) und Hans Jenny (1904 - 1972) stellt der Autor die Ergebnisse seiner eigenen Beschäftigung mit den chladnischen Klangfiguren dar, zeigt anhand zahlreicher Bilder eine Typologie dieser Formensprache, ihre Bedeutung für das Verständnis der Resonanz und die Verwandschaft mit Strukturen und Mustern der Natur. Das Buch ist zweigeteilt. Im ersten Teil wird die Thematik mythologisch-philosophisch und phänomenologisch-physikalisch erklärt, im zweiten Teil sind die faszinierenden Bilder zu sehen, die entstehen, wenn Klang und Musik auf Wasser einwirkt &endash; ergänzt durch Gedichte und Zitate vieler berühmter Autoren. Abgerundet wird das sehr geschmackvoll gestaltete Werk durch ein umfangreiches Literaturverzeichnis und einen Adressteil.

Zugänge zum Ätherischen von Klaus J. Bracker

"Wer alles räumlich, figuriert und plastisch sieht, dessen Seele ist musikalisch &endash; Formen erscheinen durch unbewusste Schwingungen. &endash; Wer Töne, Bewegungen usw. in sich sieht, dessen Seele ist plastisch &endash; denn Mannigfaltigkeit der Töne und Bewegungen entsteht nur durch Figuration." Diese Worte aus Novalis' Fragmenten (I) sagen eigentlich, keimhaft schon alles aus, was Alexander Lauterwasser veranlasste sich auf den Weg zu machen, um der "unendlichen schöpferischen Musik des Weltalls" (Novalis) nachzuspüren. Es ist die Faszination des heute in immer mehr Einzelheiten zutage tretenden schwingenden Weltbildes, welches einen maßgeblichen Anteil daran hat, dass starre, materialistische Konzepte zunehmend an Bedeutung verlieren und dass das gesamte Universum &endash; von submikroskopischen Nanostrukuren bis hin zu seiner Milliarden von Lichtjahren umspannenden astrophysikalischen Megastruktur &endash; immer besser als ein schwingender, formbildender und wieder auflösender, eigentlich lebendiger Prozess verstehbar wird. Dabei bilden sich die rhythmischen Grundmuster der universellen Gestaltung auf den verschiedensten Ebenen der Betrachtung immer wieder selbstähnlich ab, was mathematisch durch die Geometrie der Fraktalen belegt wird. Wer staunte nicht schon über die Gestaltähnlichkeit von galaktischen Wirbeln, atmosphärischen Tiefdrucksystemen und Wasserstrudeln beispielsweise? Wer hat nicht schon oft tief durchgeatmet angesichts der immer aufs Neue zu bewundernden Schönheit spiraliger Strukturen in den Samenständen von Sonnenblumen, an Kiefern- und Tannenzapfen oder auch im Muster der Augen des Pfauenrads? Insbesondere der Mensch der Moderne, umgeben vom funktionalistischen Design urbaner Artefakte und Architektur, verspürt in sich ein wachsendes Bedürfnis nach einem entsprechenden originären Ausdruck organischen Werdens, und sei es oftmals auch nur halb unbewusst. Indem allerdings das Verstehen allmählich nachkommt, wird daraus womöglich ein bewussteres Interesse. Alexander Lauterwasser &endash; nomen est omen &endash; hat sich dieser rhythmisch gliedernden, morphogenetischen (gestaltbildenden) Gesetzmäßigkeiten in gerade dem Stoff angenommen, der das Leben auf unserem Planeten ermöglicht wie kein anderer: im Wasser nämlich. Der Dichterphilosoph Novalis ist für Lauterwasser immer wieder Leitstern: "Nicht unwahr haben alte Weisen im Wasser den Ursprung der Dinge gesehen, und wahrlich, sie haben von einem höhern Wasser als dem Meer- und Quellwassergesprochen." Anknüpfend an den schweizerischen anthroposophischen Arzt Hans Jenny, der mit seiner Kymatik das Prinzip der so genannten Chladnischen Klangfiguren (Sandformen auf von einem Bogen angestrichenen und in Schwingung versetzten Metallplatten) auf flüssige Medien übertrug, hat Lauterwasser die Darstellung von Schwingungsmustern in Wasser mit neuen Mitteln in nahezu unendlich differenzierter Weise weiter entwickelt. Er gibt die Ergebnisse dieses praktischen Aspekts seiner Arbeit in zahlreichen Photographien wieder, Bilder von geometrisch-ornamentaler (kosmischer) Schönheit, ästhetisch und technisch auf hohem Niveau: eine einzige Augenweide (das Ganze ist beim Autor auch "in Bewegung", als Videofilm erhältlich). Zugleich aber durchdringt Lauterwasser die vielfältigen Phänomene in einfühlsamen theoretischen Betrachtungen, im Spektrum zwischen Physik und Philosophie, wobei er außer auf Jenny beispielsweise auch auf Rudolf Steiner und die "Sphärenmusik" (Steiner sprach vomWirken des Ätherischen u. a. als "Klangäther"), auf Theodor Schwenk und das "Sensible Chaos", Rudolf Haase und die Keplersche "Weltharmonik", Joachim-Ernst Berendt mit "Nada Brahma", Rupert Sheldrake und die "morphogenetischen Felder" sowie eine lange Reihe anderer wichtiger Autoren zurückgreift. Diese Linie verfolgt er bis hin zu den Fragen nach der Selbstorganisation des Lebendigen im Spannungsfeld zwischen homogener Einheitlichkeit von Substanzen, ihrer "Störung" durch Anregungen von außen, derAbgrenzung und Differenzierung (Individualisierung) von einzelnem in einem rhythmischenGeschehen &endash; verwoben in ein schwingendes Feld von harmonikalen Resonanzen. Und erfragt: "Ist nicht das die eigentliche íSehnsucht der Natur', Antrieb und Motiv allerevolutionären Entwicklungen und Metamorphosen, durch Offenheit für Veränderung zurVerwirklichung immer neuer, kommunikativerer, freierer Beziehungen in immergelingenderen Resonanzen zu gelangen?"

Einen ganz besonderen Gewinn kann der Leser darüber hinaus aber auch aus den reichen kulturgeschichtlichen Querverbindungen ziehen, die Lauterwasser anhand von Auszügen aus maßgeblichen Schriften herstellt. Da begegnen wunderbare Motive aus dem Taoismus, dem Rig Veda, aus altägyptischen Mythen und aus dem Alten Testament. Ebenso liefert der Autor Bezüge aus der hellenistischen Welt, dem Sufismus, der frühen christlichen Tradition, die er bis herauf zu Goethe führt, zu Novalis, der romantischen Dichtung und zur idealistischen Philosophie. So liest man zum Beispiel Iamblychos vielsagend über Pythagoras erzählen: "Er richtete kraft eines unsagbaren und schwer vorzustellenden göttlichen Vermögens sein Gehör und seinen Geist fest auf das erhabene Zusammenklingen der Welt. Daher hörte er und verstand er &endash; wie er erklärte &endash; ganz allein die gesamte Harmonie und den Wettgesang der Sphären und Gestirne, die sich darin bewegten. Diese Harmonie ergab eine vollkommenere und erfülltere Musik als die irdische, denn aus ungleichen und sich mannigfach unterscheidenden Geschwindigkeiten, Tonstärken und Schwingungsdauern von Klängen, die aber doch in einer klaren, überaus musikalischen Proportion aufeinander abgestimmt sind, werden Bewegungen und Umlauf zugleich überaus wohlklingend und in ihrer Farbigkeit unaussprechlich schön gestaltet. Von dieser Musik ließ er sich gleichsam durchtränken, ordnete seinen Geist in diesen reinen Verhältnissen und übte ihn darin &endash; wie ein Athletseinen Körper trainiert ..."

 


 

 
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