Sphärische Klänge auf der Zauberflöte

Stefan Keller ist ein Tüftler. Seine Leidenschaft gehört einer Sammlung verschiedener Querflöten und Hörner, denen er dank zusätzlicher Hand- und Fussarbeit die erstaunlichsten Töne entlockt. Die Taufe seiner neuen CD zelebrierte er am Wochenende gleich zweimal.

db -- So mussten die Kinder von Hameln gelauscht haben, als sie vom wunderlichen Rattenfänger und seinen Flötenklängen verführt und später entführt wurden. Sie folgten ihm blind und kehrten nie wieder zurück.
Auch Stefan Keller lockte die Zuhörer in sein Traumreich voller sphärischer Klänge. Doch am Ende gab es keine Vermissten. Alle landeten nach dem Ausflug wohlbehalten auf ihrem Stuhl an der Kreisschule. Beide Konzerte waren ausverkauft. Es war eine fantastische Reise voller Überraschungen und Staunen. Kellers Spiel wirft synchrone Klangbilder an Wände und Decken. Die Silhouetten verändern sich je nach Lautstärke. Das ist visualisierte Musik par excellence.

Duett für eine Flöte
An seinem Paradestück, der Kontrabassquerflöte – sie wäre in gestrecktem Zustand 3,6 Meter lang – hat er fünf Mikrofone angebracht. Mit Händen und Füssen sorgt er für die Perkussion. Stets entsteht der Eindruck, ein kleines Orchester stehe auf der Bühne. Jeder Millimeter des Raumes wird mit Klängen gefüllt. Ausgeklügelte Elektronik macht vieles möglich, Loop und Live- Sampling heissen seine Methoden. Selten gab es in einem Konzert so vieles zu entdecken und zu erleben. Einer der Höhepunkte war sein bezauberndes Duett für eine Flöte. Sein Spiel auf den seit mehr als eintausend Jahren bekannten Gemshörnern zeigte, dass das Repertoire fast uneingeschränkt erweitert werden kann.
Kellers Stil zu definieren ist unmöglich. Er bewegt sich irgendwo im Freiraum zwischen Klassik und Modern Jazz. Avantgardisten lassen sich nicht schubladisieren. Zu seinem neuen Repertoire gehören Stücke von Telemann und Bach. Die Komponisten wären entzückt zu hören, wie ihre Werke mit der Zeit mithalten können.
Die neue CD «Impuls» wurde im sogenannten Super-Audio-Verfahren aufgenommen. Eines ist sicher: Wer die Performance miterlebt hat, wird sie nicht vergessen.

BBA 27.2.2007

Bilder von der CD Taufe

Rezension avguide

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Musik als sinnliches Erlebnis

Der Flötist Stefan Keller ist Musiker, Erfinder, Komponist, Techniker, Klangdesigner, Lehrer und Grenzgänger. An seinen Solokonzerten gelingt es ihm immer wieder, das Publikum  zu überraschen.

Erika Obrist

«Als Schülerbub bin ich jeweils am Mittwochnachmittag von Bremgarten auf den Mutschellen marschiert in die Blockflötestunde an der Musikschule dort», erinnert sich Stefan Keller. Aus dem Nebenzimmer habe er gehört, wie jemand Querflöte spielt. «Ich habe damals schon gewusst: Das will ich auch spielen.»
Heute ist der 46-Jährige, der nun in Bellikon wohnt, ein bekannter Flötist. Weltweit bekannt gar, weil er das klassische Flötenspiel erweitert hat. «Dank der Elektronik kann ich Klangwelten erzeugen, die es bis anhin noch nicht gegeben hat.» Dabei stehe immer das Instrument im Zentrum. «Die Stücke müssen Rhythmus haben und sie müssen melodisch sein.»

Ein «Mitbringsel» aus Berlin

Diese Stücke komponiert er selber. Und sein kontrastreiches Spiel berührt die Menschen im Publikum, lässt sie Musik als sinnliches Erlebnis für den ganzen Körper erfahren. Dies auch, weil Keller, der an den Musikschulen in Bremgarten und Mutschellen Querflöte unterrichtet, Ton und Rhythmus vielfach mit Farben und Formen visualisiert. Vom Aargauer Kuratorium wurde Keller mehrmals für sein künstlerisches Schaffen ausgezeichnet. Das Kuratorium ermöglichte ihm auch im Jahr 2005 einen dreimonatigen Aufenthalt in Berlin. «Dort entstand der Wunsch, wieder eine CD einzuspielen», sagt Keller. Diese präsentiert er an zwei Konzerten am 24. und 25. Februar in der Kreisschule Mutschellen.

Viele Grenzen sprengend

Phänomenal. Bahnbrechend. Innovativ. Beeindruckend. Das Echo auf die CD-Taufe «albido» vor sechs Jahren in der Kreisschule war mehr als positiv. Am 24. und 25. Februar gibt Stefan Keller gleichenorts Einblick in seine neuen Werke.

Erika Obrist

Wer im April 2001 das Konzert von Stefan Keller im Musiksaal der Kreisschule Mutschellen besucht hat, erinnert sich wohl heute noch daran. Vorne im Saal der Musiker, umgeben von Kontrabass-, Bass-, Alt- und Querflöte. Dazu jede Menge technischer Geräte. Keller benutzt die Klappen der Flöte als Rhythmusinstrument, spielt Auszüge der Muster, die er erzeugt, live in einen Datenspeicher ein und ruft sie per Fusstaster wieder ab und spielt darüber eine Melodie. Dann reichert er das an mit weiteren Geräuschrhythmen, Mustern und Tönen. Das Ganze präsentiert er in Vierkanalton, was ein Musikerlebnis sondergleichen ermöglicht. Dazu projiziert er noch computeranimierte Grafiken an die Grossleinwand. Es entstehen Klangwelten, die man nie für möglich gehalten hätte.«Das macht süchtig»Vor 15 Jahren hat Stefan Keller die Elektronik für sein Flötenspiel entdeckt. Der klassische Flötist mit Lehr- und Konzertdiplom wollte sein Spiel erweitern. «Ich habe für mich entdeckt, dass man mit dem Mikrofon weit mehr machen kann, als Töne aufnehmen.» Er hat ein Loop-Gerät gekauft, mit dem man Melodien, Töne, Geräusche aufnehmen und direkt wieder abspielen kann. «Das erlaubt mir, auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig zu musizieren. Das macht richtig süchtig»
Die Elektronik ermöglicht ihm jedoch nicht nur die Wiedergabe der eingespielten Melodien und Geräusche – dank ihr lässt sich der Klang der Flöte verändern. «Sie ist für mich aber keine Spielerei, um gute Effekte zu erzielen, sondern ein musikalisches Mittel.» Im Mittelpunkt seines Schaffens stehe immer das Instrument, der Rhythmus, die Melodie. Deshalb legt Keller Wert darauf, dass seine Kompositionen kurzweilig, unterhaltend sind. Und qualitativ hochstehend.Dreidimensionales HörerlebnisBei seinen Live-Konzerten arbeitet Keller immer mit vier Lautsprechern. «Das ermöglicht ein dreidimensionales Hörerlebnis.» Surroundsound wie im Kino. Auch auf der neuen CD «impuls». Diese neue CD stellt er mit zwei Konzerten im Musiksaal der Kreisschule Mutschellen vor. «Sie ist das Resultat meines Schaffens während eines Jahres.»


Der Wunsch, eine vierte CD zu produzieren, sei bei seinem dreimonatigen Atelieraufenthalt in Berlin im Jahr 2005 entstanden. Diesen Aufenthalt hatte ihm das Aargauer Kuratorium ermöglicht. «Dort hatte ich die Möglichkeit, frei von Zeitdruck und dem Druck des Geldverdienens zu arbeiten.» Gearbeitet habe er dort viel, auch spartenübergreifend. So hat er beispielsweise mit der Malerin Axana Lebedinskaja ein Projekt umgesetzt.
Solche Projekte, welche Grenzen sprengen, liegen ihm am Herzen. So hat er für das «Ensemble Ton 3», das aus «klassischen» und improvisierenden Musikern besteht, das Stück «Zapping» komponiert, das im Zentrum-Paul-Klee in Bern mit grossem Erfolg aufgeführt wurde. Eine weitere Komposition Kellers für das Ensemble, «Bass erstaunt», wird im Mai uraufgeführt. Voraussichtlich im Jahr 2009 wird Keller zusammen mit dem Schauspieler Clo Bisaz ein Stück auf die Bühne bringen, «in dem wir beide eine Hauptrolle spielen.»«Es ist ein Privileg, das tun zu dürfen, was ich gern tue»Stefan Keller ist nicht nur Musiker und Erfinder der elektronischen Querflöte. Es ist auch Musiklehrer und Verfasser des zweisprachigen Praxisheftes «Improve it!». Zudem gibt er noch in diesem Jahr das Etudenheft «Palette» heraus. «Ich vermittle sehr gern.» Zwischen den Musikstilen. Zwischen den Kunstsparten. Indem er sein Wissen und Können weitergibt. Ein Multitalent. «Ich habe das Privileg, das tun zu dürfen, was ich gern tue», meinte er bescheiden.Sich überraschen lassen.


Der Auftritt beginnt mit einer multimedialen Rückschau auf verschiedene Projekte und Auftritte der letzten Jahre. Danach stellt der Musiker sein umfassendes Instrumentarium vor, von der Vierteltonflöte, BeBe-Alt-, Bass- bis zur erweiterten Kontrabassflöte sowie Gemshörner, Kalimba und Bambusflöte. Akustisch und elektronisch. Alle Stücke der CD werden live im Surroundsound gespielt.
Von seinem Atelieraufenthalt in Berlin bringt Stefan Keller zudem die Performance «Ein Schweizer in Berlin» auf die Bühne.
Und wer soll das Konzert besuchen? «Jung und Alt, die neugierig sind und offen für Neues», sagt Keller. Leute, die bereit sind, sich überraschen zu lassen.          

Künstler-Review: Stefan Keller
The ”Impuls“ strikes back!
www.blacksheep.ch Dieter Waser

Lang ist's her, da begannen Pioniere wie Oskar Sala oder Robert Moog die Welt der Klänge synthetisch nachzubilden.

Wilde Konstruktionen wie das Trautonium oder die, den alten Telefonzentralen nicht unähnlichen, Unge- tüme von Moog, leiteten den Urknall ein, der die heute existierende Galaxie der unendlichen Möglich- keiten an digitalen Sounds und Instrumente schuf.

Nicht zuletzt dank der Verschmelzung von Synthese und Sampletechnik ist es aktuell kein Problem mehr, ganze Orchester und Bands künstlich zu produzieren und zu spielen, ohne dass der Spielende ein einziges Instrument wirklich beherrschen muss. Das Resultat klingt bestechend echt, wenn auch der Musiker bei dieser Art von Schaffen irgendwie zum Programmierer mutiert.

Und wieder gibt es einen Pionier, und dieses Mal kommt er aus der Schweiz, der das Prinzip der künstlich erzeugten Klänge umkehrt.

Denn der Klanggenerator ist in diesem Fall der Musiker mit seinem Instrument selbst und Looptech- nik. Sampler und allerlei andere elektronische Hilfsmittel bauen die synthetische Welt rundherum; live natürlich.

Insider wissen spätestens jetzt, von wem die Rede ist; vom Flötisten Stefan Keller. - Flöten. - In unserer Vorstellung nicht gerade das Instrument, das mit einer grossen Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten brilliert. Wer aber schon einmal an einem, von Stefan Kellers multimedialen Konzerten war, der weiss, Flöten sind nicht immer klein und fein, sondern eine Flöte kann durchaus auch mal mannshoch sein und Frequenzen von sich geben, die ganz schön im Bauch wummern.

Was Keller aber seinen Instrumenten an Sounds entlockt, das sprengt dann leicht die eigene Vorstellungskraft. Ganze Drumsektionen mit E-Gitarre fliegen da mit Sourroundsound durch den Raum, Klangbilder von sphärisch bis archaisch, mal schwebend, mal groovig, überspülen uns Zuhörer und ziehen uns mit, in die Klangwelten von Stefan Keller.

Dabei spielt Keller seine Kompositionen mit verschiedenen Flöten Schicht um Schicht live auf Sampler und ein ausgeklügeltes Loop-System ein. Es entsteht so ein sinnliches, emotionales Klangbild, das seinesgleichen sucht: Ein absolut faszinierendes Erlebnis!

Für alle, die noch nie an einem Stefan Keller-Konzert waren, gibt’s seit dem 24. Februar den neuen Silberling „Impuls“. Beginnend mit einem wunder- schönen Flug über asiatische Landschaften bietet die CD von afrikanischen Trommelgrooves bis zum Alpaufzug eine schier unglaubliche Reise durch faszinierende Fantasiewelten.

Erinnert die Musik stellenweise an Grössen wie Deuter, so muss man sich doch immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass alle Sounds und Klänge der Hand einer Person und eines Instrumentes entspringen; Stefan Keller mit seinen Flöten.

Fazit:
„Impuls“ ist eine absolut ungewöhnliche CD-Produktion, die einen absolut ungewöhnlichen Musiker perfekt reflektiert! -Muss man sich reinzieh'n; es lohnt sich bestimmt!

PS: Die CD ist mit der multichannel hybrid SACD-Technik umgesetzt. Wer immer so einen Player besitzt; ich würd gerne mal hören, wie dann die Post abgeht!! -Natürlich kann die CD auch in einem normalen CD-Player abgespielt werden.

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http://de.wikipedia.org/wiki/Super_Audio_Compact_Disc
http://fm4.orf.at/grenzfurthner/204433
http://www.netzwelt.de/lexikon/Trautonium.html

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  • Diese CD wurde von aladin records aufgenommen

 
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